Ein Projekt für Generationen

Projekt- und Strukturgenossenschaften kommen immer mehr als Lösung für aktive Flächenpolitik in Gemeinden zum Einsatz. Jüngstes Beispiel ist die PSG Wolfurt-Lauterach eGen. Raiffeisen ist dabei Partner.

Die Verfügbarkeit von Grundstücksflächen und strategisch relevanten Immobilien stellt für viele Gemeinden und Regionen eine Herausforderung dar. Um aktive Akzente in Sachen Standortentwicklung zu setzen, entstehen immer mehr Projekte in Form von Projekt-und Strukturentwicklungsgenossenschaften (PSG) - koordiniert über das Institut für Standort-, Regional-und Kommunalentwicklung (ISK) unter der Leitung von Gerald Mathis und meist unter der Beteiligung der örtlichen Raiffeisenbank.

"Aktive Bodenpolitik und ein gut organisiertes Flächenmanagement sind unabdingar Instrumente einer fundiertn Standortentwicklung. Es ist fahrlässig und auch politisch verantwortungslos, die Flächenentwicklung einfach dem Zufall zu überlassen", betont Mathis. Wenngleich oft nicht unmittelbar der Nutzen eines solchen Projektes erkennbar ist, so sind es doch "Hebel, die die Region nachhaltig prägen und damit Projekte für Generationen umgesetzt werden", ergänzt Jürgen Kessler, Vorstand der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg und damit oft Partner von PSG in Vorarlberg.

Idee macht Schule

In Kooperation mit lokalen Raiffeisenbanken und den Gemeinden hat das ISK bisher sieben Projekte im Ländle umgesetzt. Aber auch in Tirol, Salzburg und der Steiermark gebe es erste Gründungsprojekte, Kärnten habe ebenfalls Interesse gezeigt.

"Das ist eine Idee, die in Vorarlberg entstanden ist, und die sich nun in ganz Österreich ausbreitet", zeigt sich Kessler stolz, meist von Beginn an in die Projekte eingebunden zu sein. Die jüngste PSG mit den Gemeinden Wolfsburg und Lauterach sei dabei besonders hervorzuheben, weil es gelungen ist, eine Gemeindekooperation ohne Fusion umzusetzen, berichtet der RLB-Vorstand und Genossenschaftsexperte. "Lebens-und Wirtschaftsräume miteinander zu gestalten, das ist der Grundgedanke von Raiffeisen in seiner direktesten Form", sind sich Kessler und Mathis einig. Damit hätten die Gemeinde und die Raiffeisenbank vor Ort ein gemeinsames Ziel. "Mit Beteiligung der Bank an der Genossenschaft tragen wir dazu bei, dass die Region stark und autonom bleibt und die ländliche Infrastruktur aufrechterhalten wird", so Kessler. Zudem werde der Landflucht entgegengewirkt.

Nutzen für Gemeinde

Das Grundmodell einer PSG sieht eine Beteiligung der Gemeinde mit 60 Prozent und der lokalen Bank mit 40 Prozent vor. Das ISK bringe ihr Know-how ein, erläutert Mathis. Die Beteiligungsverhältnisse seien aber frei wählbar. Die Grundlage für die Gründung einer PSG sei immer ein vorgelagerter Gemeinde-oder Regionalentwicklungsprozess und ein Entwicklungskonzept als Leitfaden.

Zudem stelle eine PSG eine große Entlastung für das Gemeindebudget dar, weil Partner mit an Bord seien und das Risiko sich damit aufteile. "Während ein privater Investor ausschließlich seinen Gewinn maximiert, kann die PSG eine optimale Lösung im Sinne der Gemeinschaft oder der Region darstellen", betont Mathis.