Heimische Alpaka-Züchter gründen Genossenschaft

Alpaka-Wolle gilt als das „göttliche Vlies“. Zur gemeinsamen Vermarktung des exklusiven Produkts wurde in der Steiermark nun mit Unterstützung des Raiffeisenverbandes Steiermark eine eigene Genossenschaft gegründet, deren Mitglieder aus ganz Österreich und weiteren Ländern stammen.

Vielstimmiges, singendes Summen. Mit großen Augen, vorsichtig, aber sehr neugierig, Schritt für Schritt kommen die weißen, braunen, bunten und schwarzen Alpakas näher. Und immer dieses beständige, leise singende Summen der Tiere. Was sie sich wohl zu sagen haben? 75 Alpakas werden am Pöttlerhof von Michaela und Karl Todtner in St. Stefan ob Leoben gehalten. Alle Tiere werden mit ihrem Namen angesprochen. Die sehr fürsorgliche Beziehung zu den Alpakas ist unübersehbar. Das Wohl der Tiere ist für Todtner das Um und Auf. Stillstand war nie ein Thema für die beiden.

Karl Todtner ist gelernter Betriebselektriker und Elektrotechniker, war jahrelang Produktionsleiter in einem Kabelwerk. Erst später kam er über die Heirat auf den jetzigen Hof. Michaela Todtner hat zehn Jahre bis zur Umstellung Speiseeis produziert. Bis zu 300 Sorten wurden angeboten. Zahllose Berichte über die eiskalte Versuchung entstammen aus dieser Zeit, es gab kaum eine Publikation über regionale Spezialitäten und Selbstvermarkter ohne Bezug zum Todtnerschen Bauernhofeis. Eine Novelle zur Speiseeisverordnung soll auf Karl Todtners Betreiben hin mit entstanden sein.

Radikaler Schnitt

Es war ein radikaler Schnitt vor fünf Jahren. Im Februar 2013 verließ die letzte Kuh den Pöttlerhof. Wehmütige Blicke zurück oder Sentimentalität gibt es nicht. Über Jahrzehnte wurden am Betrieb Milchkühe gehalten, der Stall für die knapp 60 Tiere war nicht mehr zeitgemäß, zwischen 300.000 und 400.000 Euro hätten der Umbau und die neue Technik gekostet. „Im Frühjahr 2012 haben wir die Entscheidung getroffen, dass wir das nicht machen. Denn nach der riesigen Investition hätten wir die gleiche Arbeit wie vorher gehabt, dafür einen Berg Schulden, keine Ersparnisse und vor allem keine Aussicht auf bessere Preise.“

Wo früher die Milchkammer war und die Kälberboxen standen, ist jetzt ein heller Raum für Besucher mit direktem Blick – durch eine große Glasscheibe getrennt – in den Stall. Ein Artikel in einer landwirtschaftlichen Fachzeitung lenkte die Aufmerksamkeit auf die Alpakas. Schon wenige Wochen später erwarb Sohn Christoph im Baden-Württembergischen Ilshofen die erste Alpaka-Stute. Noch beim Abholen kamen eine weitere Stute und zwei Hengste dazu. Noch im ersten Jahr kamen vier Jungtiere auf die Welt, 2014 waren es bereits neun Fohlen. Für die Eismaschine gab es nach dem großen Wechsel auch keine Verwendung mehr – die wechselte für zwei Hengste den Besitzer, sie wanderte zu einem Gastronomen im sächsischen Chemnitz.

Nutztiere, keine Schmusetiere

Die fünf ersten Jahre brachten den Neo-Alpakazüchtern vor allem eine Erkenntnis: So wunderbar die Tiere auch sind, so sehr sie den Alltag mit ihrer ruhigen Art entschleunigen, es braucht natürlich ein funktionierendes Geschäftsmodell. Für die Wolle gibt es in Österreich bei rund 7.000 Tieren keinen funktionierenden Markt, auch nicht in Deutschland, dort leben rund 26.000 Tiere. Sehr viele Halter kommen nicht aus der Landwirtschaft bzw. leben nicht ausschließlich von den Tieren. „Von Alpakas, die für ihr hübsches Aussehen prämiert werden, kann keiner leben“, sagt Todtner. „Nur wenn es einen fairen Preis für die Wolle und Produkte daraus gibt, macht es auch Sinn, gute Preise für Zuchttiere zu bezahlen.“ Die vielen Herausforderungen in der Bereitstellung von bester Alpakawolle und deren Vermarktung sind für einen Betrieb kaum zu schultern – die Idee zur Gründung einer Genossenschaft reifte heran. Eine zentrale Herausforderung ist, wie so oft, der Preis fürs Produkt. Derzeit werden laut Todtner für die Rohware von der Industrie acht Euro bezahlt. Bei kalkulierten Gesamtkosten von rund 465 Euro pro Tier und Jahr und einem Wollertrag von knapp zwei Kilo wäre das pure Liebhaberei. „Wir wollen aber die Wertschöpfung mit hochwertigen Produkten bei den Erzeugern halten, einen guten Preis zahlen – derzeit sind es etwa 75 Euro pro Kilo – Fortbildungsangebote, kompetente Scherdienste sowie eine Gewinnausschüttung bieten.“ Angestrebt wird mittelfristig eine Jahresmenge von 2.000 bis 2.500 Kilogramm.

Heinrich Herunter, Verbandsdirektor des Raiffeisenverbandes Steiermark, streut Rosen: „Wir freuen uns sehr, dass wir die Gründung der Alpaka-Vermarktungsgenossenschaft begleiten durften. Mit der Bündelung der bisher kleinstrukturierten Absatzkanäle zu einem starken, professionellen Partner für das verarbeitende Gewerbe entspricht diese neue Genossenschaft voll dem Prinzip der Selbsthilfe und somit der Raiffeisen-Idee.“ Der Wirkungsbereich der Alpaka-Genossenschaft erstreckt sich über Österreich, Schweiz, Deutschland und Liechtenstein. Darüber hinaus steht die Gründung einer GmbH in den Startlöchern, schließlich will das „Vlies der Götter“ entsprechend verarbeitet werden. Es gibt bereits vielversprechende Gespräche mit deutschen Garnerzeugern, die die Wolle seidenfein verspinnen können. Eine breite Palette an Produkten, von Decken über Hauben, Handschuhe und Socken, bis hin zu Seifen, gibt es im hofeigenen Geschäft zu kaufen. Geht es um die Qualität der Alpakawolle, beginnen Todtners Augen zu leuchten. „In den Anden bewältigen die Tiere Temperaturunterschiede von plus 30 Grad bis minus 20 Grad. Die Art der Faser ist in der Natur einzigartig, am Körper schafft Alpakawolle ein einmaliges Gefühl. – Ein Geschenk der Götter eben.“