„Ursprünglich ging es uns nur darum, Lebensmittel für den Eigenbedarf zu produzieren. Doch dann schlug die Idee einer großen Gemeinschaft erstmals feine Wurzeln in unseren Köpfen“, erzählt Kurt. Zum selbstgebackenen Brot kam allmählich die Fleischverarbeitung hinzu und bald darauf wurde das erste eigene Gemüse geerntet. „Die viele Arbeit machte sich bezahlt und wir hatten plötzlich einen Überschuss an Tomaten, Gurken und Salaten. Alles, was wir nicht mehr selbst konsumieren konnten, landete schließlich auf unserem Seminarhof“, erinnert sich Christine, die den Hof Schleglberg gemeinsam mit Fritz führt. Heute sind beide Vorstandsmitglieder der Autarkler-Genossenschaft.
„Dieser Überschuss ließ uns darüber nachdenken, generell mehr Produkte für einen größeren Personenkreis zu produzieren. Dazu brauchten wir aber eine rechtliche Stütze und standen schließlich vor der Frage, ob die Gründung eines Vereins, einer GesmbH oder einer Genossenschaft für unser Vorhaben ideal wäre. Die Rechtsform der Genossenschaft erhielt am Ende den Vorzug“, berichtet Fritz. „Für uns bedeutet Gemeinschaft sich gegenseitig Sicherheit zu geben und gemeinsam etwas zu schaffen. Jeder darf seine Stärken einbringen, denn man muss nicht alles alleine können.“ In diesem Punkt sind sich die fünf federführenden Gründungsmitglieder einig.
Jeder darf seine Stärken einbringen
Die vielen Sonnenstunden im Hausruckviertel und der hausgemachte Kompost helfen dabei, in der Lebensmittelerzeugung ganz ohne Chemie auszukommen. So gedeiht in Rottenbach auf über 12 Hektar Agrarfläche herrliches Gemüse und köstliches Obst. „Bei uns hat die Natur noch die Zeit, die sie braucht. Das sagt auch unser Motto über die Gemeinschaft für naturnahes Leben aus“, erklärt Obmann-Stellvertreter Markus. „Den Hofladen haben wir ganz bewusst als zweite Schiene ins Leben gerufen. Hier haben wir den Verkauf von Produkten und parallel auch deren Verwertung in der Gastronomie – so funktioniert regionale Wertschöpfung“.
Und weil die Autarkler darüber hinaus mit weiteren regionalen Partnern zusammenarbeiten, die das gleiche Konzept verfolgen, sehen sie sich nicht nur als Direktvermarkter, sondern auch als regionaler Nahversorger. „Irgendwo ist auch ein kleiner Bildungsauftrag dabei. Wir laden zum Beispiel Schüler auf einen Obsttag ein und bringen den Kindern den Kreislauf der Natur näher. Zu guter Letzt ist uns der Ausbau unseres Netzwerkes wichtig, denn immer mehr Menschen sind von der Idee der Selbstversorgung und vom Konsum regionaler Produkte begeistert“, ergänzt Markus.
Genossenschaft und Arbeitgeber
Elf Mitarbeiter haben die Autarkler inzwischen, Manfred hat sogar seinen Job als Landesbediensteter aufgegeben und ist nun Vollzeit in der Genossenschaft angestellt. „Wir können jetzt schon sehr zufrieden sein, über das, was wir gemeinsam erreicht haben“, freut sich Kurt. „Von Anfang an sehr geholfen haben uns jedenfalls die Beratungen durch den Raiffeisenverband. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass eine Genossenschaft langfristig und wirtschaftlich gesehen für uns die optimale Rechtsform ist.“ Besonders gefiel den fünf Gründungsmitgliedern damals der Gedanke, sich gleichberechtigt verwirklichen zu können und in einer sehr flexiblen Rechtsform zu arbeiten.
Kurt erinnert sich: „Die ersten Anlaufjahre waren wirtschaftlich etwas schwierig, weil wir schneller gewachsen sind als geplant. Daher mussten wir personell ausgleichen, was sich dann in den Lohnnebenkosten niedergeschlagen hat. Zudem war ein gewisser Druck da, dass von Anfang an ein Gewinn überbleiben sollte. Da hat uns die jährliche Prüfung durch den Raiffeisenverband sehr geholfen, die ja für alle Genossenschaften vorgeschrieben ist. Natürlich eine Verpflichtung, aber ebenso eine wertvolle Begleitung. Das hilft enorm dabei, am Ball zu bleiben und laufend zu durchleuchten ob man noch auf dem richtigen Weg ist. So konnten wir Schlüsse ziehen und nötige Veränderungen rasch genug durchführen. Und überhaupt hat uns der Raiffeisen-Grundsatz zur Förderung der Regionalität gefallen, weil dieser wieder total modern ist und einfach genau in unser Konzept passt.“

