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Die Auszeit-Ermöglicher

Rund 28.000 IT-Fachkräfte fehlen in Österreich. Das merken nicht nur die Kunden, sondern auch die aktiven IT-Spezialisten. Die meisten, nämlich rund 95 Prozent, sind Selbständige, viele davon agieren als Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betrieb. „Unsere Kunden bringen uns großes Vertrauen entgegen, gleichzeitig sind die Ansprüche an die Verfügbarkeit hoch“, erzählt Gerald, einer der beiden Vorstände der Ersten Steirischen IT-Genossenschaft ESIT. Denn Urlaube und Krankenstände würden damit schwierig. Einen Mitarbeiter Vollzeit anzustellen, sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht immer eine Lösung. „Einen Kollegen als Vertretung zu nominieren, ist hingegen wegen der Datenschutzbestimmungen schwierig“, sagt Gerald.

Aus diesem Grund machten sich Gerald und sein damaliger Chef Thomas daran, eine praktikable Lösung zu entwickeln, um IT-Spezialisten dringend notwendige Auszeiten zu ermöglichen und gleichzeitig die kompetente Betreuung der Kunden zu gewährleisten. Norbert, ein Unternehmensberater, brachte sie schließlich auf die Idee, eine Genossenschaft zu gründen.  Gesagt, getan – 2019 war es schließlich nach jahrelanger Konzeption und Planung soweit, die Erste Steirische IT-Genossenschaft wurde gegründet. Neben Thomas, dem heutigen Obmann, und Gerald waren Unternehmensberater Norbert sowie Georg, ein weiterer IT-Techniker, mit an Bord. „Georg und Norbert sind unsere Aufsichtsräte“, sagt Gerald.

Dass die Wahl letztendlich tatsächlich auf die Rechtsform Genossenschaft fiel, hat mehrere Gründe: Einerseits seien den Gründern die Prinzipien von Genossenschaften, nämlich unter anderem ökologisch nachhaltig und mit sozialer Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Partnern zu handeln, entgegengekommen. Andererseits sei es für Mitglieder relativ einfach, einer Genossenschaft beizutreten oder gegebenenfalls auch wieder auszutreten.

„Ein weiterer wichtiger Punkt für uns war, dass die Genossenschaft rechtlich eine Firma ist und wir einander daher problemlos vertreten können. Damit können wir die Themen Urlaub, Krankenstand und variable Kosten gut abbilden“, erzählt Gerald. Denn die Genossenschafter bleiben eigenständige EPU, können aber unter dem Dach der Genossenschaft auf die Unterstützung der Gemeinschaft zählen.

Konkret funktioniert das folgendermaßen: „Wenn ich nicht erreichbar bin, landet der Kunde automatisch im Büro. Dort wird das Anliegen aufgenommen und mir ein Ticket zugewiesen. Ist das Anliegen extrem dringend und ich nicht so rasch verfügbar, wird das Mitglied, das Zeit hat, beauftragt. Bin ich auf Urlaub, werden meine Aufträge fair an die anderen Genossenschafter verteilt. Das ist kein Problem, da jeder Zugriff auf die Daten hat. Dieser muss zuvor definiert und vom Kundenbetreuer freigegeben werden“, beschreibt Gerald. Denn gemeinschaftlich leistet man sich nicht nur ein Büro in Graz, eine Telefonanlage und zwei Mitarbeiter, sondern auch einen Server. Abgerechnet wird zwischen den Mitgliedern über ein internes Verrechnungsmodell, der Kunde braucht sich damit nicht zu befassen. Er erhält die Rechnung von der ESIT, deren Leistungen von Systemintegration, über Hard- und Software, hin zu IT-Konfiguration sowie technischer Beratung und Verkauf reichen.

Bereut haben die vier Gründer ihre Entscheidung bisher nicht. „Wir können nach den fünf Jahren sagen, dass es für uns das Richtige war und ist“, sagt Gerald. Nur eines bedauern sie ein wenig: „Leider wussten wir im Vorfeld nicht, dass im Raiffeisenverband viel Wissen gebündelt ist, das gerne mit potenziellen Gründern geteilt wird. Wäre uns das früher bekannt gewesen, hätten wir uns viel Zeit und Nerven gespart.“

Die Zeichen stehen jedenfalls auf Wachstum: Ziel ist es, so rasch als möglich im ganzen Bundesland vertreten zu sein. Übrigens: Nicht nur IT-Fachkräfte, sondern auch Kunden können bei der ESIT, die aktuell zehn Mitglieder zählt, Genossenschafter werden. „Das macht vor allem Sinn, wenn man ein Betreuungspaket will“, sagt Gerald. Dass die Genossenschaft in den Köpfen der meisten noch nicht so verankert ist, findet er schade. „Es zahlt sich wirklich aus, sich das Modell genauer anzuschauen“, ist er überzeugt.