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Das „Willhaben“ der Pflege

Knapp eine Million Menschen wird daheim von Angehörigen oder Freunden gepflegt. Eine Aufgabe, die mit vielen Herausforderungen verbunden ist und die Pflegenden oft an ihre Grenzen bringt. „Viele davon tun sich schwer, Hilfe anzunehmen. Das wird immer noch häufig mit Schwäche gleich gesetzt, dabei ist es das nicht“, weiß Michael, geschäftsführender Gesellschafter bei Lica Life Care.

Um Pflegende bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, hat er daher gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftsführerkollegen Wolfgang sowie der FH Hagenberg die kostenlos erhältliche App Lica entwickelt. Mit dieser können wichtige Informationen wie Blutdruck, Ernährungsgewohnheiten, Körpergewicht, Allgemeinbefinden oder Medikamenteneinnahme dokumentiert werden. „Damit sehen auch Laien auf den ersten Blick, ob alles passt oder Handlungsbedarf besteht“, sagt Michael, der ursprünglich eine Pflegeausbildung absolviert hat. Weiters kann damit ein Pflegeplan erstellt werden, Pflegepersonen können miteinander kommunizieren und auch ein Pflegegeldrechner ist inkludiert.

Parallel zur App, die seit 2022 auf dem Markt ist und demnächst auch auf den DACH-Raum ausgerollt werden soll, hat das Duo bereits am nächsten Projekt, und zwar der Informationsplattform Sondis, gearbeitet. „Wir wollen das ‚Willhaben‘ der Pflege werden“, sagt Wolfgang, der über eine langjährige Erfahrung als Steuerberater und Gesundheitsplaner verfügt. Zum einen sollen pflegende Angehörige auf der digitalen Plattform sämtliche Informationen zum Thema Pflege finden und damit, wie er sagt, „durch den Informationsdschungel gelotst“ werden. Aber auch Produkte und Dienstleistungen, die für die häusliche Pflege erforderlich sind und diese möglicherweise erleichtern, werden in einem zweiten Schritt dort präsentiert. Darüber hinaus wird es eine KI-basierte Chatfunktion geben, auch Mitgliederevents sowie ein „Tag der pflegenden Angehörigen“ sind geplant.

Genauso bemerkenswert wie die Plattform selbst, die Anfang 2025 online geht und schrittweise von Oberösterreich aus auf das gesamte Bundesgebiet und den DACH-Raum ausgerollt werden soll, ist auch die Rechtsform für das dahinter stehende Unternehmen: Es handelt sich dabei um eine Genossenschaft. Zu den Gründungsmitgliedern der 2022 gegründeten Genossenschaft Lebensbegleitung – Life Care zählen neben der Lica Life Care unter anderem die Oberösterreichische Versicherung, die Elisabethinen, Franziskanerinnen sowie die Barmherzigen Schwestern Ried. „Derzeit laufen Gespräche mit mobilen Diensten über einen Beitritt“, sagt Wolfgang. Aber auch Sozialberatungsstellen, weitere Anbieter von Gesundheits- und Sozialdienstleistungen, Medizinprodukteanbieter oder Nutzer der Plattform sollen der Genossenschaft, die im November 2024 mit dem Franz Kainberger-Gesundheitspreis in Salzburg ausgezeichnet wurde, beitreten können.

„Neue Partner laufend und ohne Aufwand aufnehmen zu können, war einer der Gründe, warum wir uns für eine Genossenschaft entschieden haben. Denn das ist bei dieser wesentlich einfacher als in einer GmbH“, erklärt Wolfgang, Obmann der Genossenschaft. Ein Verein wiederum sei wegen der Gemeinnützigkeit nicht infrage gekommen. „Natürlich geht es in erster Linie um die Sache und die Genossenschaft soll den Mitgliedern Nutzen stiften. Aber ein wenig sollte man auch verdienen können“, so Wolfgang, nun Obmann der Genossenschaft.

Apropos Nutzen: Die Lebensbegleitung – Life Care will nicht nur Menschen und Unternehmen verbinden, die sich im Bereich der häuslichen Pflege und Betreuung engagieren, „Wir wollen auch dazu beitragen, dass die Gesellschaft von der Vollkaskomentalität ein Stück weit zur Selbstversorgermentalität zurückkehrt“, sagt Michael. Die gemeinschaftliche Selbsthilfe sei ja auch ein Leitmotiv von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Gründervater des Genossenschaftswesens, gewesen. Genauso wie Raiffeisen setzen auch die beiden darüber hinaus auf Regionalität: So gibt es beispielsweise Überlegungen, unter dem Dach der Lebensbegleitung – Life Care regionale Pflege- oder Betreuungsgenossenschaften zu gründen. „Das würde sicher Sinn machen“, sagt Wolfgang.