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Bartle „Üser Wirtshus“

Wie die Pfarrkirche zum heiligen Leonhard ist das Wirtshaus Bartle ein zentraler Treffpunkt für die Bewohner von Riefensberg im Bregenzerwald. „Im Bartle trifft man sich, um zu plaudern, zu gustieren, zu diskutieren und um gemeinsam Zeit zu verbringen. Das ist schon seit Generationen so – und darf durch unsere Genossenschaft noch viele Jahre so bleiben“, freuen sich Brigitte, Markus und Richard, Gründungsmitgliedern der Genossenschaft „Üser Wirtshus“.

Alles begann mit dem plötzlichen Ableben des ehemaligen Wirtes Bartholomäus, liebevoll Bartle genannt. „Nach seinem Tod sollte das Gebäude verkauft werden und schnell waren auch schon auswärtige Investoren daran interessiert. Die hegten zwar ganz andere Pläne mit dem Gebäude. Aber wir wollten sicherstellen, dass es noch möglichst lange als Gasthaus erhalten bleibt und weiterhin von Einheimischen geführt wird. Deshalb fassten wir selbst den Kauf ins Auge“, berichtet Richard.

Auch von der übrigen Bevölkerung kam äußerst positives Feedback zur Idee. „Es war ein enormer Zulauf da und wir hatten die Finanzierung zur Übernahme des Dorfwirtes in weniger als einem Monat zusammen. Aber – dann machten wir erste Berechnungen und stellten fest: Unser größtes Problem wird auf lange Sicht die Rentabilität sein“, erinnert sich Richard. Mit gemischten Gefühlen informierten die Gründungsmitglieder alle Interessierten über die ersten Berechnungen. Doch zu ihrer großen Überraschung und allen Bedenken zum Trotz ließen sich die Einheimischen nicht mehr davon abhalten, den Kauf des Wirtshauses finanziell zu unterstützen und der Genossenschaft als Mitglieder beizutreten.

Brigitte schildert den Moment: „Die Stimmung damals war: Wenn überhaupt, dann schaffen wir das nur alle miteinander! Da ist der uralte Grundgedanke einer Genossenschaft in den Vordergrund getreten. Die Einheimischen wollten sich an diesem gemeinschaftlichen Projekt, das dem ganzen Ort zu Gute kommt, beteiligen – selbst wenn sie persönlich davon keinen Profit erwarten konnten“, erzählt Brigitte.

Verein oder Genossenschaft?

Noch vor dem Kauf ging es aber um die Frage nach der passenden Rechtsform für das gemeinsame Projekt. „Für uns kam ursprünglich entweder ein Verein oder eine Genossenschaft in Frage. Nachdem aber – und das wird oft übersehen – das Haftungsthema für die Verantwortlichen einer Genossenschaft wesentlich angenehmer ausfällt, als in einem Verein, war dann schnell klar, dass die Form der Genossenschaft für uns besser passt“, erzählt Markus und fügt hinzu: „Bei unserem ersten Informationsabend rund um den Gasthofkauf war zufällig auch Urs dabei.

Er ist bei Raiffeisen in Bregenz der zuständige Betreuer für Genossenschaften. Nachdem er ab der ersten Stunde mit im Boot war und uns bei der Erstellung eines Entwicklungskonzeptes geholfen hat, hatten wir von Beginn an einen super Experten an unserer Seite. Urs hat uns sehr gut betreut und uns alle Berührungsängste rund um das Thema Gründung und Genossenschaft genommen. Eigentlich hat er sich total in unser Projekt hineingelebt und immer das Beste für uns raus geholt“.

Genossenschaftliche Erfolgsgeschichte

Nach dem Kauf und der Gründung im Jahr 2013 ging dann alles Schlag auf Schlag: Im Februar 2014 startete man – wieder gemeinsam – mit den Umbauarbeiten, denn bereits im Juli 2014 war die Neueröffnung vom Bartle geplant. Richard: „Ursprünglich war unsere Idee ja, das Wirtshaus an einen Einheimischen zu verpachten. Nachdem sich aber so schnell niemand gefunden hat, haben wir das Bartle ab der Neueröffnung vorerst selbst geführt. Es ist von Anfang an richtig gut gelaufen und wurde schnell immer mehr. Bald mussten wir die Öffnungszeiten und unser Angebot erweitern.“

Mittlerweile macht das Bartle seinem Namen „Üser Wirthus“ alle Ehre, denn mit vielen Stammgästen aus der Region ist es in der Tat das Gasthaus der Menschen vor Ort. „Nachdem das Wirtshaus in den letzten Jahren so gut gelaufen ist, konnte nun auch eine Pächterin aus einer Nachbargemeinde gefunden werden. Sie hat das Wirtshaus gemeinsam mit ihrem Mann übernommen und sich schon sehr gut eingelebt. Also alles in allem eine Erfolgsgeschichte“, resümiert Richard.